Jazzstudie 2016 – Musizieren an der Armutsgrenze

Der Musikerwitz "Was macht ein Jazzer mit 1 Mio €? Spielen bis das Geld alle ist." kommt leider nicht von ungefähr. Bestätigt wurde dieses Klischee des unterbezahlten Jazzmusikers in einer Studie, die vom Jazzinstitut Darmstadt, der Union Deutscher Jazzmusiker und der Interessensgemeinschaft Jazz Berlin in Auftrag gegeben wurde.

Die 84-seitige Zusammenfassung der Untersuchung beleuchtet nicht nur ausführlich die Lebens- und Arbeitsumstände der Jazzmusiker, sondern auch weiterführende Themenbereiche (Spielstättenförderung, Nachwuchsförderung,...) sowie wesentliche Problemfelder (Sozialversicherung, Rentenlücke,...) und bietet darüber hinaus einen Ausblick in die Zukunft mit konkreten Lösungsansätzen.

Auf die Ursachen für die geringen Gagen wird im Verlauf der Studie relativ wenig eingegangen.

Jedoch wird im Punkt "Arbeitsmarktkompetenz verbessern" ein wesentliches Defizit in der musikhochschulischen Ausbildung benannt: Während des Studiums werden die angehenden Musiker zu wenig auf den nicht-künstlerischen Teil der beruflichen Praxis vorbereitet. Dies spiegelt auch unsere Erfahrungen aus anderen Musikbereichen wider. Musiker zu sein bedeutet nicht nur, auf der Bühne zu stehen bzw. zu üben, sondern ein nicht unerheblicher Teil der beruflichen Zeit muss auf administrative und bürokratische Tätigkeiten verwendet werden. Man muss sich selbst als Produkt schließlich auch "vermarkten" und darauf wird man mit Sicherheit einen größeren Zeitanteil verwenden müssen als man letztlich mit seinem Instrument verbringt. Dieses Bewusstsein sollte am besten bereits vor dem Studium geweckt werden.

Unserer Meinung nach besteht zudem ein dringender politischer Handlungsbedarf, v.a. im Hinblick auf musikalische Fördermöglichkeiten - und zwar sowohl im Hinblick auf eine strukturelle Spielstättenförderung als auch die Möglichkeiten zur individuellen Projektförderung bzw. Tourförderung.

Insgesamt weist die Studie in die richtige Richtung und wir begrüßen die Publikation. Wünschenswert wäre es, wenn möglichst viele Reaktionen auf die Studie erfolgen und so die Wertschätzung der Musik wieder zunimmt. Dies muss jedoch auch und vor allem auf der Konsumentenseite erfolgen. Seit ihrer Veröffentlichung erfuhr die Studie bereits ein enormes Medienecho: In einem Beitrag vom NDR wird darauf eingegangen und SPIEGEL ONLINE widmete der Thematik ebenfalls einen Artikel.

Die Studie kann im Volltext hier eingesehen werden.

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